Während von der Wahl Arjen Robbens zum „Fußballer des Jahres“ in der Tagesschau berichtet wird, wird die Nennung der Siegerin bei den Frauen, Inka Grings, schlicht gestrichen. Ein Kommentar.
Es gibt Sportmeldungen, die sind von allgemeinem öffentlichen Interesse. Dazu gehört die Wahl zum „Fußballer des Jahres“. Ist die Wahl zum „Fußballer des Jahres“ gefallen, so ist dies aufgrund des hohen öffentlichen Interesses sogar der Tagesschau, der durch GEZ-Gelder finanzierten öffentlich-rechtlichen 20.15-Uhr-Vorzeige-Nachrichtensendung der ARD, eine Meldung wert. Dann gibt es Sportmeldungen, die nicht vom allgemeinen öffentlichen Interesse sind. Dazu gehört die Wahl zur „Fußballerin des Jahres“. Und weil die sportliche Leistung der „Fußballerin des Jahres“ eben niemanden interessiert, sieht man in der Tagesschau-Redaktion auch keinen Anlass, das zu erwähnen.
Warum auch? Es gibt ja klare Argumente für dieses Handeln: Der diesjährige Gewinner Arjen Robben vom FC Bayern spielt in der 1. Fußballbundesliga. Arjen Robben ist erfahrener Nationalspieler, spielte in der vergangenen Saison mit seinem Verein in der Champions League und gewann u.a. den DFB-Pokal. Torschützenkönig war er leider nicht, aber einfach ein toller Spieler mit überragender Übersicht - einfach ein Weltklassefußballer.
Und wie ist das bei Inka Grings? Die „Fußballerin des Jahres“ spielt auch in der 1. Fußballbundesliga, ist darüber hinaus erfahrene Nationalspielerin, spielte in der vergangenen Saison mit ihrem Verein FCR 2001 Duisburg in der Champions League und gewann u. a. den DFB-Pokal. Ach ja, und sie war Torschützenkönigin der vergangen Saison und ist darüber hinaus eine tolle Spielerin mit überragender Übersicht - einfach eine Weltklassefußballerin (weshalb sie im vergangenen Jahr auch für diesen Titel nominiert war).
Was an diesem Vorgang besonders dreist ist: die Wahlen sind zum gleichen Zeitpunkt, also nicht an unterschiedlichen Tagen, getroffen und der Presse in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt gemacht worden. Daraus dann auch eine gemeinsame Nachrichtenmeldung zu machen, ist nur logisch. Dass die Tagesschau-Redaktion vor diesem Hintergrund den Beitrag am vergangenen Sonntag (08. August) um die Information, wer die Spielerinnen-Wahl gewonnen hat, kürzt, ist also weder durch das Nachrichtenformat noch journalistisch begründet. Ein solches Handeln ist schlicht diffamierend sowie Ausdruck tiefster Missachtung und Diskriminierung des Frauenfußballs und seiner Akteur/-innen.
Sind wir also Zeugen gelebten Sexismus in der Tagesschau-Redaktion geworden? Da freuen wir Freundinnen und Freunde fundierter sportjournalistischer Berichterstattung uns schon auf die kommende Frauenfußball-Saison mit dem Höhepunkt der Frauenfußball-WM im eigenen Land!Unser Tipp: Vielleicht sollten die Damen und Herren bis dahin noch mal ein Seminar „Journalismus für Anfänger“ besuchen - und ihr eigenes Handeln als Antibeispiel thematisieren. Die Definition von Sexismus lautet nämlich: "Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit."
























