Knapp ein dreiviertel Jahr vor der Frauenfußball-WM im eigenen Land bringt Humboldt als erster, nicht auf Sport spezialisierter Verlag ein umfassendes Hintergrundbuch zum Thema „Frauenfußball“ auf den Markt. „Frauenfußball von A – Z“ heißt das Werk des Sportjournalisten Ronny Galczynski, welches seit Herbst 2010 im gut sortierten Buchhandel zu finden ist. Wir haben uns einen Eindruck verschafft.
Schnell und übersichtlich präzise Informationen bieten – mit diesem Ziel hatte sich der Autor an dieses Buchprojekt gesetzt. Herausgekommen ist das erste Frauenfußball-Lexikon auf dem deutschen Markt – eine hoch einzuschätzende Pionierleistung von Autor und Verlag. Eingang ins Buch fanden u. a. alle 175 Nationalspielerinnen mit Kurzportraits, die seit dem 1. Länderspiel 1982 aufgelaufen sind, alle Vereine, die je in der 1. Bundesliga, DFB-Pokal, DDR-Pokal oder DDR-Meisterschaft spielten, alle Meistertrainer/-innen, die besten Nationalspielerinnen der Welt, wichtige Fakten zur Frauenfußballgeschichte sowie statistische Daten wie z.B. Rekordergebnisse.
Wussten Sie beispielsweise, dass die erste Frauenfußballmannschaft 1894 in London spielte? Oder dass nur ein einziges Frauenfußball-DDR-Länderspiel stattfand? Und dass der KBC Duisburg mit nur fünf zahlenden Gästen den Zuschauer-Negativ-Rekord bei einem Bundesliga-Spiel hält? Dies sind nur wenige Einblicke in die Informationsflut, in die sich Frauenfußball-Fans hier stürzen dürfen.
Das Buch besticht auch mit seiner kompakten Aufmachung und dem klaren, ansprechenden Layout. Mehr als 50 vollfarbige Fotos aus allen Jahrzehnten machen das Beschriebene plastisch und lassen den/die Leser/-in an der einen oder anderen Stelle auch mal schmunzeln. Ein Vorwort von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz adelt das Buch natürlich zudem auf seine Weise.
Negativ fällt leider auf, dass die Sprache an mancher Stelle einem Lexikon nicht angemessen ist: so liest man z.B.: dass Martina Voss einst aus der Nationalmannschaft „gekegelt“ wurde oder Inka Grings unter „Aussetzern“ zu leiden habe. Gerade an diesen Stellen wäre eine sachliche, weniger wertende Ausdrucksweise wünschenswert.
Auch werden weiter mancherorts schlicht falsche Termini verwendet (z.B. „Olympiade“ anstatt „Olympischer Spiele“); Ausrutscher, die in einem sportjournalistischen Buch eigentlich nicht passieren sollten. Ob eine „weibliche Co-Autorenschaft“ dem Lexikon „hier und da“ einen anderen Blickwinkel geschenkt hätte, darüber lässt sich nur spekulieren.
Für all jene, die sich an diesen kleinen Schwächen nicht stören, bleibt jedoch festzuhalten: „Frauenfußball von A – Z“ liefert geballtes Frauenfußball-Fachwissen und das bei einem wohl unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Fans und Interessierte sind damit für Bundesliga- und Nationalspiele bestens gerüstet!
Ronny Galczynski: Frauenfußball von A – Z
Das Lexikon des deutschen Frauenfußballs, Spielerinnen, Vereine und Rekorde
Humbodt Verlag 2010, Reihe „Freizeit & Hobby“, 392 Seiten, ca. 50 Farbfotos
ISBN 978-3-86910-169; 9,95 €
























