Der FCR 01 Duisburg hat in der vergangenen Woche für aufsehenerregende Neuigkeiten gesorgt: sowohl für Fans als auch für Medien überraschend, wurde die bisher erfolgreichste Trainerin in der Geschichte des FCR, Martina Voss-Tecklenburg, beurlaubt. Da ihr Vertrag sowieso zum Ende der Saison 2010/11 ausgelaufen wäre, mutet diese Beurlaubung wie eine Entlassung an - und lässt viele Fragen offen.
Grundsätzlich gehört die Entlassung eines Trainers bzw. einer Trainerin zum Alltagsgeschäft in der Fußball-Bundesliga, wie man in der laufenden Saison an den Beispielen Tanja Schulte (Herforder SV) oder Thorsten Zaunmüller (FF USV Jena) sehen konnte. Deren Wirken führte nach und nach zu Misserfolgen oder Unstimmigkeiten in der Mannschaft oder sie konnten das Team nicht mehr erreichen. Eine Entlassung wird in solchen Fällen gern als einzige Lösung angesehen. Entscheidet sich der Vereinsvorstand für einen solchen Schritt, geschieht dies, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen zu Zeitpunkten in der Saison, an denen dieser Schritt Sinn ergibt und der Mannschaft und dem potentiellen Nachfolger dadurch die Möglichkeit eröffnet wird, "noch etwas reißen" zu können.
Vor diesem Hintergrund finden dies die Fans des FCR Duisburg unglaublich, dass man die Trainerin nach einer zwar zweifellos nicht planmäßig verlaufenen Saison, kurz vor dem Saisonende aus der Verantwortung reißt. Momentan gibt es keine logische Erklärung dafür. Denn was soll drei Spieltage vor dem Ende der Saison noch "gerissen" werden? Zumal die Mannschaft viel Pech durch jede Menge verletzte Spielerinnen, wie z.B. Annike Krahn, hatte.
Die Verabschiedungen der Trainer Schulte und Zaunmüller waren darüber hinaus auch mit dem entsprechenden Respekt verbunden und das Wirken des jeweiligen Trainers wurden honoriert bzw. gewürdigt, auch wenn es nicht den gewünschten Erfolg hatte. Warum wurde in Duisburg so wenig Wert auf einen würdigen Abgang gelegt?
Lediglich in einem kleinen Artikel mit 98 Wörtern wurde am 17. Februar auf der Homepage des Vereins darauf hingewiesen, dass man nun einen anderen Trainer zum Chefcoach gemacht habe. Keine guten Wünsche für die Zukunft, keine Danksagung für die geleisteten Jahre im Verein, nichts. Seltsam, was muss passiert sein, damit ein Trainer solch einen unwürdigen Abgang erleben muss? Und waren nicht eben noch Vertragsverhandlungen im Gange?
Fassen wir zusammen: Der FCR 01 Duisburg ist auf Platz drei der Tabelle, ist kürzlich unglücklich aus dem DFB-Pokal geflogen und aktuell, aufgrund der Tabellenplazierung, nicht für die kommende Champions League qualifiziert. Die Ansprüche des Vorstands waren offensichtlich höher, doch die Gründe für eine Trainerentlassung mit den wenigen Worten: "[...]Der Verein hofft, durch diesen Schritt Druck von der Mannschaft nehmen zu können[...]" zu beschreiben, erscheinen dazu sehr widersprüchlich.
Eine erklärende Pressekonferenz wurde, für nach dem nun eher unwichtig gewordenen Spiel gegen Wolfsburg, angekündigt. Diese wurde mit Spannung erwartet, doch neben der längst überfälligen Danksagung und dem Hervorheben von Titeln, die der Club durch Voss-Tecklenburg in der Vergangenheit erreicht hatte, wurden alle Misserfolge dieses einen Jahres aufgezählt, die den Vorstand wohl zu diesem Schritt bewegt habe. Die Beurlaubung sollte ebenfalls "einen Impuls an die Mannschaft geben, um möglichst wieder zur alten spielerischen Stärke zurückzufinden".
Doch hat man durch diese Trennung, das bewirkt, was soeben bekannt gegeben wurde? Denn die Chance dieses Jahr wenigstens die Champions League zu gewinnen ist oder war mit Voss-Tecklenburg ebenso vorhanden. Zumindest hatte es bis zur Beurlaubung niemand in Frage gestellt. Sind das also alles "rein sportliche Überlegungen", die zu dieser Entscheidung geführt haben?
Die Mannschaft hatte ebenfalls eine Erklärung vorbereitet, die auf der Pressekonferenz durch Inka Grings vorgelesen wurde:
Liebe Martina,
Wir möchten hiermit, geschlossen als Mannschaft, zum Ausdruck bringen, dass wir Deine Beurlaubung sehr bedauern. Wir möchten Danke sagen, Danke für eine große Zeit mit Dir! Wer so viel für den Frauen-Fußball geleistet hat, vor allem in Duisburg, dem muss großer Respekt gezollt werden. Und diesen haben wir vor Dir, Martina. Für Deine Zukunft wünschen wir Dir von Herzen alles Liebe und Gute, Deine Mannschaft!
Dieser Brief wurde von Seiten des Vorstandes nicht kommentiert. Doch trotz aller Erklärungsversuche des Vorstandes bleibt immer noch ein sehr fahler Beigeschmack vorhanden.
























