Gibt es ein Problem aufgrund verschiedener sexueller Identitäten im Fußball? Warum und wie können diese überwunden werden? So lauten einige Fragen der Arbeitsgruppe "Für Toleranz und Anerkennung – gegen Rassismus und Diskriminierung" des DFB, die in verschiedenen Workshops im Dialogforum am 17. und 18. Januar 2012 gestellt wurden. Herausgefunden werden sollte, ob "sexuelle Identitäten ein Thema für den Fußball" ist und welche Ansätze nützlich sind, um Vereinen, Spielern und Fans Unterstützung zukommen zu lassen.
Notwendigkeit des Dialogforums
"Professionell Fußball spielen und homosexuell sein – zu oft ist das heutzutage noch Gegensatz oder Problem für Vereinsmitglieder, Sportler oder Fans." Aus diesem Grund wurde bereits 2007 eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Thema "Für Toleranz und Anerkennung – gegen Rassismus und Diskriminierung" beschäftigt.
Unter dem Titel: "Vor dem Ball sind alle gleich – sexuelle Identitäten im Fußball" gab es nun vom 17. bis 18. Januar 2012 ein Dialogforum der DFB-AG in der Sportschule Hennef bei Köln. Im Kreise von Multiplikatoren und Experten wie Professor Gunter Pilz oder DFB-Prominenz wie Steffi Jones und Dr. Theo Zwanziger, begann ein zweitägiges Diskussionsforum über Homophobie im Sport, wie man dies erfolgreich verhindert und Aufklärung verankert werden kann.
In diversen Workshops wurden Fragen gestellt, diskutiert und mögliche Ergebnisse erarbeitet. Diese Ergebnisse wurden dann einem Plenum präsentiert und daraus entstehende Ansätze bzw. eine strategische Ausrichtung herausgearbeitet. Auch wurden in den Workshops die späteren Zielgruppen beachtet, wie beispielsweise Vereine, Verbände, Spieler und Fans. Dabei kamen eben auch Fragen auf, wie "welche Herausforderungen gibt es, wo gibt es Bedarf und welche Partner müssen integriert werden?".
Doch drängt sich die weitere Frage auf, ist so ein Forum wirklich notwendig? Sehen wir mal die Fakten. Es gibt laut irgendeiner Statistik rund 30 Millionen Fußball-Fans in Deutschland. Fußball ist somit in Deutschland das hochemotionalste und größte gesellschaftlich durchgängige Massenereignis, welches wahrscheinlich nur vom Event Weihnachten zahlenmäßig überholt wird. Die gerade männlichen Fußballspieler stehen daher unter einem enormen Druck. Nach der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und dem damit verbundenen Anstieg von Frauenfußball-Fans in der Bundesliga ist auch im Frauenfußball nicht zu verachten. Der emotionale Druck war wohl auch der Hauptgrund für das frühe Ausscheiden der Frauen-Nationalmannschaft aus dem WM-Ereignis.
Eine Expertenmeinung zum Thema
Professor Gunter Pilz, Soziologe und Professor am Institut für Sportwissenschaft an der Universität in Hannover, stellte sich vor dem Dialogforum einigen Fragen des WDR. Hier kam die wohl wichtigste Frage auf, "Wie kommt es, dass wir im Jahr 2012 noch darüber sprechen müssen, wie schlimm es ist, als Leistungssportler homosexuell zu sein?"
Die Theorie des Professor Pilz über den Männerfußball ist folgende: "Das hat sicherlich etwas damit zu tun, dass in den meisten Fällen Leistungssport sehr stark mit Männlichkeit und Härte verbunden ist. Da hat Homosexualität offensichtlich wenig Platz. Für Fußball gilt das ganz besonders, weil Fußball eben sehr stark als Männersport wahrgenommen und dargestellt wird. Auch wenn es mal ein bisschen zu hart wird auf dem Platz, kommen gleich die Stereotypen: Fußball sei eben kein Spiel für ein Mädchenpensionat."
Beim Frauenfußball sieht der Professor dies etwas anders, aber dennoch läuft es auf das Gleiche hinaus, hier sagt er: "Bei Frauen funktioniert das ein bisschen anders. Wenn die sich als lesbisch outen, bestätigen sich auch wieder Vorurteile: Fußball ist ein Männersport, und wenn Frauen Fußball spielen, können sie keine Frauen sein. Unproblematisch ist Homosexualität auch bei Frauen nicht. So ist beispielsweise die Sponsorensuche schwierig, auch, weil es lesbische Spielerinnen gibt. In beiden Bereichen tut man sich schwer mit der Erkenntnis, dass die sexuelle Orientierung eines Spielers oder einer Spielerin völlig belanglos ist."
Fazit
Nimmt man nun all diese Informationen und überlegt nochmal, ob es notwendig ist, eine Art Leitfaden für Vereine, Spieler oder Fans zu erarbeiten, kann die Antwort eigentlich nur "Ja" heißen. Zu diesem Ergebnis kam auch das Plenum. Doch herrscht immer noch Uneinigkeit, denn während Fußball-Profis wie Phillip Lahm einem schwulen Sportler rät, sich nicht zu outen, sagen ehemalige Sportler wie John Amaechi (Ex-NBA-Profi), der auch ein Gastredner auf dem Dialogforum war, dass es an der Zeit ist, sich zu outen.
Ein weiterer Aspekt, welcher ebenfalls für einen Leitfaden stimmt, ist was Dr. Theo Zwanziger in den Raum warf: "Besonders für junge Fußballer ist ein Coming out ein besonderes Problem, weil sie für die relativ kurze Zeit, in der sie ihren Spitzensport betreiben können, doch beachtliche Nachteile befürchten". Dem Fußball können durch diese Einstellung durchaus auch viele Talente entgehen. Eine Handlungssicherheit und das Bewusstsein für einen respektvollen Umgang miteinander, nicht nur auf dem Papier sondern auch in der Realität, kann also nur von Vorteil sein und sollte auch nach diesem Forum weiter vorangetrieben werden.
























