Vier Spiele gab es gestern Abend, der Abschluss in den Gruppen A und B. Während die Gruppe A nur noch um die Platzierung spielte, hatte in der Gruppe B die Mannschaft aus England noch eine Aufgabe zu erfüllen und zwar mussten sie noch das endgültige Weiterkommen in die K.O.-Runde sichern.
Durchschnittlich haben 16,24 Millionen Zuschauer den Abend an den TV-Geräten verbracht und schauten sich den Sieg im dritten Spiel der Vorrunde der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der Frauenfussball-WM 2011 an. Das entsprach einem Marktanteil von 51,9 Prozent. Das war zwar von den Zuschauerzahlen nur knapp am Spiel gegen Nigeria (30.06.) mit 16,39 Millionen vorbei, aber der Marktanteil des gestrigen Tages war besser (30.06. = 51,7%).
Ab 18.15 Uhr trafen sich in Augsburg die Mannschaften aus England und Japan, während zur gleichen Zeit in Sinsheim der Anpfiff für die Partie Neuseeland gegen Mexiko ausgeführt wurde. Durch ein Unentschieden der englischen Mannschaft gleich am ersten Spieltag der Gruppenrunde gegen Mexiko, mussten die "Three Lions" das Spiel gegen Japan auf jeden Fall gewinnen um das Viertelfinale zu erreichen.
England vs. Japan
Die Nadeshiko waren vor dem Spiel noch in der Favoritenrolle, schon wegen ihrer FIFA-Weltranglistenplatzierung (Platz 4) und bisher trafen England und Japan noch nie aufeinander - eine Premiere sozusagen. Hope Powell's Mannschaft musste auch noch gewinnen, um in die nächste Runde zu gelangen. England dementsprechend hochmotiviert und schon das beflügelte scheinbar in den ersten 15 Minuten das erste Tor zu schießen.
Stürmerin Ellen White hatte in diesem Moment ein sehr gutes Auge, denn sie erkannte, dass die Torfrau der Japanerinnen sich zu weit aus dem "Kasten" bewegte und so lupfte sie den Ball kurzerhand präzise über die kurzgewachsene Ayumi Kaihori zum 1:0 ins Tor. Wenn dieses toll anzusehende Tor nicht mal das Tor der Vorrunde werden wird. Die Japanerinnen kamen die ganze Zeit über nicht ins Spiel und waren kaum torgefährlich, man hatte das Gefühl, sie hätten die Handbremse angezogen.
Sie erspielten sich nur gelegentlich mal bis in den Strafraum des Gegners, aber weiter kamen sie eigentlich nicht. Das zweite Tor der Partie gelang den Engländerinnen dann auch erst in der zweiten Hälfte des Spiels (66.), als Rachel Unitt der kurz zuvor eingewechselten Rachel Yankey eine tolle Flanke servierte. Mit dem Ball umkurvte sie dann geschickt die Abwehr um anschließend wieder den Platz hinter der Torfrau im Tor zu finden (2:0).
Neuseeland vs. Mexiko
In Sinsheim sah man indes gleich vier Tore, von beiden Mannschaften zwei, allerdings hätte dies nur Auswirkungen gehabt, wenn England verloren hätte. Denn hätten die Engländerinnen verloren, dann hätte Mexiko die Chance für ein Weiterkommen gehabt, so hat England gewonnen und beide Kontrahenten - Neuseeland und Mexiko - sind trotz der Tore aus dem Turnier ausgeschieden.
Die Mexikanerinnen begannen die Partie äußerst stark, der Siegeswille war überaus vorhanden und so kam es, dass Stephany Mayor in der zweiten Minute das 0:1 klar machte. Keine halbe Stunde später (29.) kam "Marigol" Dominguez durch einen Abstoß von Aurora Cecilia Santiago Cisneros und einer Verlängerung einer anderen Spielerin, an den Ball und traf auch umgehend zum 0:2.
Nach der Halbzeitpause kamen die Neuseeländerinnen erstarkt zurück ins Spiel und erarbeiteten sich in der 48. und in der 71. Minute eine Torchance, die allerdings nicht zum Erfolg führte. Die reguläre Spielzeit war schon vorbei, als Rebecca Smith die nächste Chance mit dem Kopf nutzte um auf 1:2 zu verkürzen. Das Spiel war immer noch nicht zu Ende, da kam Hannah Wilkinson nochmal an den Ball und traf zum 2:2 Ausgleich (90. + 4.).
Der zweite Teil des Abends gehörte den beiden letzten Partien der Gruppenphase in der Gruppe A. Hier trafen sich ebenfalls zur gleichen Zeit (20.45 Uhr) in Dresden Kanada und Nigeria und in Mönchengladbach Frankreich und Deutschland.
Kanada vs. Nigeria
In der Gruppe A standen die Gruppensieger eigentlich schon fest, somit spielten Kanada und Nigeria nur noch um die Ehre. Dabei hatte nach dem Ende der Begegnung Nigeria die Nase vorne. Kanada hätte allerdings gewinnen können, doch es sollte nicht so sein. Mehrere Möglichkeiten vorm gegnerischen Tor kamen nicht zum erhofften Erfolg.
Aber auch bei Nigeria war erst "der Wurm drin". Viele Chancen konnten ebensowenig verwandelt werden. In der ersten Halbzeit bekamen die Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden kein Tor zu sehen. Der Kampf beider Mannschaften begann verheißungsvoll nach dem Seitenwechsel, doch plötzlich (nach der 70. Minute) standen die Spielerinnen und das Publikum im Dunkeln. Das Flutlicht ging nacheinander aus und die restliche Beleuchtung ging ebenfalls aus, was noch schön leuchtete war die Außenbande - Werbung kann ja nicht schaden :-) (Anm. d. Red.).
Nach ungefähr zehn Minuten kam der Strom zurück und die Beleuchtung konnte nach und nach wieder ihren Dienst aufnehmen. Der Wiederanpfiff erklang und Nigeria nutzte die allgemeine Verwirrung um das erste und einzige Tor des Spiels zu schießen. Perpetua Nkwocha hatte hier die ersten Punkte für die Super Falcons geholt (0:1), trotzdem müssen nun beide Mannschaften die Heimreise antreten.
Frankreich vs. Deutschland
Eigentlich ging es in diesem Spiel auch nur noch um die Ehre, denn beide Kontrahenten sind bereits durch die ersten beiden Spieltage der Gruppenphase im Viertelfinale angelangt. Allerdings zerpflückten die neuen Frauenfussballversteher, also die Presse- und Medienvertreter mit Akkreditierung die vorher nicht wussten was Frauenfussball ist, die deutsche Mannschaft dermaßen, dass Deutschland sich scheinbar in der Pflicht sah, Kombinationsfussball und Höhenflüge am laufenden Band präsentieren zu müssen. Also für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mehr als eine Frage der Ehre und für eine Topspielerin eine Hatz.
Birgit Prinz versauerte auf der Bank, mit der Begründung sie müsse ihr Formtief auskurieren, hätte man was anderes behauptet - beispielsweise aus taktischen Gründen - hätte es die neue Frauenfussballpresse sowieso nicht akzeptiert. Nun gut, Inka Grings wurde gesetzt und hatte ihre Sternstunde und das zurecht. Doch zuvor kam Kerstin Garefrekes, die den ersten Torschuss in der 25. Minute zum 0:1 brachte. Sieben Minuten später kam Inka Grings, die einen perfekten Pass von Simone Laudehr auf den Kopf bekam und so das sehr schön anzusehende 0:2 machte.
Die Französinnen, noch vor der Partie mit sensationellen Kommentaren etwas arogant wirkend, zeigten irgendwie keinen entsprechenden Fussball. Sie waren bessere Statisten, die allerdings die Standardsituationen für sich gewinnen konnten und durch Marie-Laure Delie (56.) und Laura Georges (72.) zwei Tore erzielten.
Dieses mal hatte die FIFA eine bessere Schiedsrichterin ins Spiel gebracht, es waren zwar nicht alle Situationen richtig entschieden, aber Kirsi Heikkinen aus Finnland sah das rotwürdige Foul an Fatmire Bajramaj im Strafraum durch die Torfrau Bérangère Sapowicz und vergab auch tatsächlich die rote Karte an die Torfrau, die anschließend durch Céline Deville ersetzt wurde. Den Elfmeter schoss Inka Grings (68.) mit Ruhe und Souveränität in die rechte Ecke während die Torfrau Deville in die linke Ecke sprang (2:3).
Den endgültigen Königinnentreffer konnte dann Celia Okoyino da Mbabi schießen, denn mit ihren französischen familiären Wurzeln war dies ein ganz besonderes Spiel für sie. Kurz vor Schluss (89.) gab Babett Peter den Ball nach vorne, Inka Grings verlängerte und Okoyino da Mbabi machte "das Ding". Der Endstand war dann 2:4, was dem französischen Trainer Bruno Bini scheinbar keiner sagte, denn im anschließenden Interview sprach der sichtlich angesäuerte Trainer von einem 2:3, ob dies ein Übersetzungsfehler oder tatsächlich so war, ist nicht überliefert.
Nigeria, Kanada, Mexiko und Neuseeland sind im weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft nicht mehr dabei. Deutschland, Frankreich, England und Japan hingegen, sind die ersten Teilnehmerinnen in der kommenden K.O.-Runde und treffen im Viertelfinale in den Paarungen: Deutschland gegen Japan und England gegen Frankreich aufeinander.
























